Zur
Geschichte der Schule in Marialinden
Vor 200 Jahren war Marialinden ein kleiner Ort, und es standen
vielleicht zehn Häuser um die Kirche, die damals nur eine Wallfahrtskapelle ohne Turm und
um ein Joch kleiner war. Zum Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen mussten die
Marialindener selbstverständlich zu ihrer Pfarrkirche nach Overath gehen. Dort gab es
auch eine Pfarrschule, die schon 1647 in einer Urkunde erwähnt ist. In welchem Umfang
jedoch die Kinder von Marialinden von diesem Unterricht Gebrauch machten, ist nicht
bekannt.
So ist es nicht verwunderlich, wenn den Einwohnern um die Marialindener
Kapelle "auf einer herrlichen praedominanten Anhöhe im Mittelpunkt von 60 Höfen mit
301 Familien" der ständige Weg nach Overath zu beschwerlich war und sie sich um
einen eigenen Seelsorger bemühten. Aber anders als heute mit einer staatlich geregelten
Kirchensteuer mussten die Gemeinden für ihre Geistlichen selbst aufkommen.
Einer der führenden Leute in Marialinden war der Hufschmied und
Offermann (= Küster) Paulus Büscher, seit vielen Jahren Schöffe des Bernsauer
Hofgerichts und ein angesehener Mann. Er versammelte am 3. Okt. 1789 sieben
finanzkräftige Bürger von Marialinden, um ein Benefizium zu errichten, von dessen Ertrag
ein Geistlicher bezahlt werden konnte. In einem Vertrag sind die Bedingungen und Aufgaben
genau geregelt. Unter Punkt 5 wird der "Beneficiat" verpflichtet, "von
aller Heiligen bis Ostern die Schul zu halten". Dafür hatte jedes Kind monatlich 9
Stüber zu zahlen, wenn es Lesen und Schreiben lernt. Kommt aber noch Rechnen hinzu,
beträgt das Entgelt 12 Stüber. Sollten Eltern den Wunsch haben, ihre Kinder auch die
übrige Zeit zum Unterricht zu schicken, so sollten sie sich über das Schulgeld selbst
mit dem Vicar einigen.
Binnen weniger Tage war die Genehmigung der Düsseldorfer Regierung von
Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Berg sowie Kurfürst Maximilian
Franz, Erzbischof von Köln, erfolgt, so dass am 2. 11.1789 Roland Müller als erster
Vicar an der Kapelle zu Marialinden approbiert (bestätigt) wurde. Roland Müller war 27
Jahre alt und stammte aus einer angesehenen Familie in Hohkeppel. Er war von Paulus
Bücher und den übrigen "Fundautoren", wie man die Stifter des Benefiziums
nannte, vorgeschlagen worden.
Man könnte also dieses Datum als institutionellen Beginn des
Schulunterrichtes in Marialinden betrachten, der allein durch das persönliche Engagement
der Einwohner erreicht wurde. Wann allerdings tatsächlich der erste Unterricht erteilt
wurde, ist nicht mehr festzustellen. Zum einen erhielt Roland Müller erst am 16. 5. 1790
die Priesterweihe, wird also vorher kaum in Marialinden gelebt haben. Sodann mußte ja
auch ein entsprechender Schulraum zur Verfügung gestellt werden. Zwar hatte Paulus
Büscher zugesagt, auf seinem Grundstück gegenüber der Kirche "mit Hülfe seiner
Söhne" ein Haus zu bauen, in dem sich eine Wohnung für den Vicar und ein Raum zum
Schulehalten befinden sollten. Diese "Vikarie" gegenüber der Kirche steht zwar
heute noch es ist aber nicht genau bekannt, wann sie errichtet wurde. In der Zwischenzeit
wird sicher ein Raum in einem der benachbarten Häuser benutzt worden sein.
Wenn man bedenkt, dass in den 60 Höfen um Marialinden nahezu 100
schulfähige Kinder wohnten, wird man sich das Gedränge selbst in dem Schulraum der
Vikarie vorstellen können. Allerdings wird man nicht davon ausgehen können, dass alle
Kinder regelmäßig am Unterricht teilnahmen.
Einmal gab es noch keine Schulpflicht und zweitens mussten die Eltern
für den Unterricht ja auch bezahlen.
Der Schulraum selbst war sehr spartanisch eingerichtet. Es befand sich
darin "nur ein Tisch, und einige Bretter, längs die Wände genagelt, waren die
Bänke - wenn man noch einen Tisch zum Schreiben gebrauchen musste, so wurde einer in der
Nachbarschaft geholt und nach geendigter Schule wieder zurückgebracht."
Wenngleich derartige Verhältnisse gegenüber den Ausstattungen
heutiger Schulen sehr bescheiden sind, waren die Bedingungen in der Vikarie im Vergleich
zu den späteren Räumen noch hervorragend. Nach mehr als 20 Jahren schied Vicar Müller
im Streit von den Marialindenern. Auch mit seinen Nachfolgern, die nur jeweils kurz im Amt
waren, verlief es ähnlich. Grundlegende Änderungen gab es aber vor allem durch die
politischen Wandlungen. Hatte der Beginn der Marialindener Schule noch zur Zeit des
Herzogtums Berg stattgefunden, so waren inzwischen die Franzosen und seit 1815 die
Preußen Landesherren und mit letzteren auch die staatliche Schulpflicht eingeführt.
Damit übernahm der Staat die Ausbildung der Lehrer und die Errichtung der Schulgebäude.
Für die Marialindener Schule wurden die Bedingungen dadurch schlechter. Denn jetzt
sorgten nicht mehr einsatzbereite Bürger vom Rang eines Paulus Büscher für die Schule,
sondern die staatliche Verwaltung mit ihrem oft mühsamen Gang durch alle Instanzen.
Die Schule in Marialinden war nun keine kirchliche Schule und der Vicar
kein Lehrer mehr. Dadurch kam die Vikarie nicht mehr als Schulhaus in Frage. Die Folge
warenjahrelange Provisorien. Obwohl bei der Erfassung der schulpflichtigen Kinder im Jahr
1814 für Marialinden 156 Schüler gezählt wurden und der Overather Gemeinderat schon
1819 den Schulhausbau für Marialinden als vordringlich bezeichnet und dazu sogar ein
Grundstück für 89 Reichstaler von Peter Büscher, einem Sohn Paulus Büscher, erworben
hatte, dauerte es letztendlich 40 Jahre bis zum Bau eines eigenen Schulhauses. In der
Zwischenzeit wurde immer wieder ein einzelner Raum in einem der vorhandenen Häuser
angemietet.
So liegt im Gemeindearchiv ein Mietvertrag, in dem der Küster und
Organist Franz Wilhelm Broich, der von 1827 - 1843 auch das Amt des Lehrers innehatte.
Darin vermietet Broich einen Raum in seinem Hause als Schulzimmer für 18 Taler Miete
jährlich. Broich wohnte in dem Haus Nr. 186, später "Gasthof zur Post" und
heute Metzgerei Altenrath. Als Broich 1843 - ebenfalls im Streit- aus dem Lehreramt
ausschied, ging natürlich auch das Schulzimmer wieder verloren.
Ein neues Domizil fand die Schule wieder durch Broichs Nachfolger
Engelbert Schlicher, der von 1843 - 1885 in Marialinden Lehrer war. Schlicher mietete
zunächst ein Haus am Marienkirchplatz, in dem er ebenfalls einen Raum für den Unterricht
zur Verfügung stellte, bevor 1845 die Gemeinde die Gelegenheit erhielt, dieses Gebäude
für 800 Taler als Schulhaus zu kaufen. Obwohl dies eine wesentliche Verbesserung
darstellte, war die Raumnot katastrophal. Dies wirkte sich vor allem auch auf den
Unterricht aus. Im Jahre 1847 schrieb der amtliche Schulrat, dass die Kenntnisse der
Kinder im Lesen und "bieblische Geschichte" zwar genügen, "im Rechnen
aber, in der Sprache und im Gesang sind sie nur mittelmäßig". Die Hauptursachen
sieht er in dem "sehr beschränkten Schulzimmer, worin die größte Anzahl Kinder so
dicht zusammensitzt, dass der Unterricht nichtgehörig ertheilt werden kann. Ein neues
Schullokal ist wirklich dringendes Bedürfnis".
Immerhin dauerte es noch weitere 13 Jahre, bis Marialinden endlich ein
eigenes Schulgebäude erhielt, in dem sich auch zwei Klassenräume befanden. Das alte
Gebäude von Schlicher am Marienkirchplatz wurde an Johann Knipp verkauft, dessen
Nachfahren noch heute darin wohnen.
Die Schulvikare hatten noch Unterlehrer, so der Vicar Müller den Wirt
Michael Burger und den Bauern Adolf Miebach, der Vicar Peter Willmund (ab 1811) den
Küster Theodor Volberg und den Johann Josef Habernickel, der ab 1815 Schulleiter war.
Sein Nachfolger wurde 1820 der erwähnte Wilhelm Broich.
1858 wurde dann das Bruchstein-Schulgebäude, das bis 1953 dem
Schulbetrieb diente und 1967 abgebrochen wurde, bezogen.
Es hatte insgesamt 4526 Thaler gekostet. Schlicher beklagte sich in der
1874 begonnenen Schulchronik sehr darüber, dass Marialinden der Schule nicht wohlgesonnen
gewesen sei, "und wenn eine hohe Königliche Regierung nicht mit aufrichtigem Eifer
des Volksschulwesens sich angenommen, so würde es hierwohl im Argen liegen: `Die Schule
wurde mit Bezug des neuen Gebäudes zweiklassig, der Präparand Wilhelm Kurtenbach erhielt
eine Anstellung.
1869 erfolgte die Teilung der Schule in eine Mädchen- und eine
Knabenschule. Als Lehrerin für die Mädchenschule wurde Maria Willmes eingestellt. Sie
war die einzige Lehrerin während des gesamten Bestehens dieser Schule bis zum 15. 4.
1907, also 38 Jahre lang.
Danach wurden die beiden Schulen wieder zusammengefasst, Lehrerin wurde
am 28. 4. 1908 Scholastika Ludwigs, die dann bis 1951, also 43 Jahre lang, hier
unterrichtete. Die Klassen wurden weiterhin - wie die beiden Schulen vorher
getrenntgeschlechtlich geführt, I. Klasse war - selbstverständlich - die Jungenklasse!
In der Knabenschule hatte inzwischen der Lehrer Schlicher seinen Dienst
im Jahre 1885 mit "Emeritierung" beendet. An seiner Stelle trat Karl Zillig.
Auch dieser Lehrer war lange Jahre in Marialinden tätig. Die letzte Zeit seines Dienstes
- er wurde Ende 1913 pensioniert- war durch schwere Erkrankungen und damit durch häufigen
Wechsel der ihn vertretenden Lehrpersonen gekennzeichnet. Bemerkenswert erscheint, dass
ihm zum Abschluss seines Dienstes "der Adler der Inhaber des Hohenzollernschen
Hausordens verliehen" wurde.
In seine Zeit fällt die Neueinrichtung der Schule Niedergrützenbach
im Jahre 1910. Wilhelm Stoffels, Nachfolger Zilligs als Schulleiter, hatte im Sommer 1913
hier begonnen, musste aber seine Tätigkeit lange unterbrechen, da er zum Kriegsdienst
einberufen und erst am 7.12. 1918 entlassen wurde. Sein Vertreter war hauptsächlich
Heinrich Weber (1916 -1918), der eigentlich in Eulenthai eingestellt war. Dieser übernahm
dann am 9. 4.1926 die Stelle endgültig, Lehrer Stoffel war 1925 nach Immendorf bei Köln
versetzt worden.
Die nächsten Jahre verliefen dann langhin ohne Lehrerwechsel. Die
Schülerzahl bewegte sich aufwärts, von 109 im Jahre 1926 auf 142 im Jahr 1933, wobei die
beiden Klassen jetzt nicht mehr nach Geschlechtern, sondern nach Jahrgängen getrennt
waren.
Damals wurde eine dritte Klasse eingerichtet, als Lehrerin wurde Hedwig
Nolden eingestellt. Da der entsprechende Raum fehlte, wurden die Klassen im
Schichtunterricht betreut. Ab 1933 folgten dann Hans Winkel, Käthe Damm und Josef
Meisenberg auf der 3. Stelle, bis diese am 7. l. 1937 wieder abgeschafft wurde. Im I . -4.
Schuljahr saßen damals 76 Kinder, im 5. - 8, deren 72 !
Der 2. Weltkrieg brachte zunächst nur geringe Veränderungen im
Schulbetrieb, Heinrich Weber musste zeitweilig in Schlingenthal vertreten, wurde auch kurz
zum Arbeitsdienst einberufen, kam krank zurück.
Die Schule wurde 1944 fremdbelegt, ein regelmäßiger Unterricht war
nicht mehr möglich, die Kinder wurden jahrgangs- und stundenweise in privatwohnungen
bestellt, wo ihre Hausaufgaben besprochen und kontrolliert wurden. "Gesteigerte
Lufttätigkeit" machte auch dies zeitwielig unmöglich.
Am 13.4.1945 wurde Marialinden "reibungslos von den Amerikanern
besezt".
Der Schulbetrieb begann für die jüngeren Kinder am 3.9., für die
älteren am 5.11.1945 wieder.
Die Schule wurde im Jahr 1946 vierklassig, Schulhelfer Wilhelm Koersgen
und Lehrerin Ursula Schulz nahmen ihren Dienst auf. Die Kinderzahl dieser Zeit: 46 im 1.
Schj., 24 im 2. Schj., 57 im 3./4. Schj., 49 im 5. -9. Schj. Etwa 1/3 waren
"Ortsfremde", d. h. Evakuierte und Flüchtlinge.
Am 12. 12. 1946 begann die Schulspeisung, an der 112 Kinder teilnahmen,
zu Weihnachten und Neujahr bekamen die Kinder je 9 Tafeln Schokolade zum Vorzugspreis von
0,25 RM.
Am 16. 11. 1948 trat Peter Roder die Nachfolge von W Koersgen an, er
wurde am l. 10. 49 nach Schlingenthal versetzt, sein Nachfolger war Heinz Ryfisch, der bis
1951 hier tätig war. Herr Roder kehrte 1968 nach Marialinden zurück, wo er bis zu seiner
Pensionierung im Jahr 1978 tätig war.
Von jetzt an ist häufiger Wechsel der Lehrpersonen zu verzeichnen, so
dass hier für die meisten nur kurze Erwähnungen genügen müssen, ehemaligen
Schülerinnen und Schülern zur Erinnerung:
Scholastika Ludwigs wurde
im Jahr 1951 nach 43 Jahren Tätigkeit in Marialinden pensioniert, Heinrich Weber 1953; er
war insgesamt 33 Jahre lang Lehrer und Schulleiter in Marialinden gewesen.
Sein Nachfolger in der Schulleitung wurde Leo Pütz, von dem Peter
Müller dieses Amt im Jahr 1963 übernahm, der hier schon seit 1952 tätig gewesen war.
Herr Müller wurde im Jahr 1984 pensioniert, also nach 32 Jahren Unterrichtstätigkeit an
derselben Schule, für wenige Monate folgte ihm Manfred Freudl. Sein Nachfolger wiederum
ist Stefan Hubert seit 1985.
In die Jahre nach dem 2. Weltkrieg fielen einschneidende Veränderungen
für die Schule Marialinden.
So wurden mehrere Neu- und Anbauten errichtet, als erstes im Jahr l953
der Hauptteil des jetzigen Schulgebäudes mit 4 Klassen und Nebenräumen, das alte
Gebäude von 1858 wurde 1967 abgerissen.
1966 kam ein Klassenraum in Fertigbauweise hinzu, 1971 ein weiterer
1976 wurden 2 Pavillonklassen aufgestellt, die bis 1985 benutzt wurden. Am 6.11.1981
brannte die im Jahr 1966 aufgestellte Klasse ab. 1983 wurden 2 durch eine Faltwand zu
einem großen Raum zuverbindende Klassen in Betrieb genommen, ihnen folgten dann 1985 die
bis heute letzten 2 Unterrichtsräume plus Geräteraum.
Mit deren Fertigstellung war dann auch die Neugestaltung des gesamten
Schulhofgeländes einschließlich Spielbereichen verbunden.
Auch das Schulsystem ist in den letzten Jahrzehnten grundlegend
verändert worden.
So kamen am 6. 6. 1966 die Kinder der Oberklasse von Schlingenthal zur
damaligen katholischen Volksschule Marialinden, dafür wurden die evangelischen Kinder zur
evangelischen Volksschule Overath gefahren. 2 Kurzschuljahre leiteten 1966/67 zum
Schuljahresbeginn nach den Sommerferien über. Zum Schuljahr 1967/68 wurden die
Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 - 5 der aufgelösten Schule Niedergrützenbach in
Marialinden aufgenommen.
Die eigentliche "große" Schulreform fand dann zum Beginn des
Schuljahres 1968/ 69 statt. In Marialinden begann die Zeit der Gemeinschaftsgrundschule
mit allen Kindern der Schuljahre 1 - 4 aus den ehemaligen Schulbezirken Marialinden,
Schlingenthal und Niedergrützenbach, also aus dem Bereich, für den 180 Jahre zuvor die
Schule in Marialinden eingerichtet worden war.
(Jörg Poettgen, Stefan Hubert)